RADIGAL - die schwullesbische Fachgruppe der FDP

Archiv Aktuell

Das Archiv enthält für Sie die älteren Artikeln. 

„Darf ich dir meine Mütter vorstellen?“

Silvan D. Amberg, Präsident RADIGAL, über die Frage der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.
(28. Mai 2008)

Bei der Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare gehen auch innerhalb der Freisinnigen die Meinungen stark auseinander. Da sich RADIGAL in Zukunft verstärkt mit der Adoptionsfrage befassen wird, soll der vorliegende Artikel mithelfen, eine Diskussion anzustossen, welche besser parteiintern geführt wird, bevor das Thema auf die politischen Agenda kommt.

Zuerst eine Begriffsdefinition: In freisinnigen Diskussionen geht es nie um die Einführung eines Adoptionsrechts, sondern immer um die Aufhebung eines Adoptionsverbotes. Es soll also niemand ein Recht erhalten, ein Kind zu adoptieren, jedoch soll das – nachweislich strenge – Adoptionsprozedere für Paare ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung geöffnet werden. Ausserdem handelt es sich bei einem beträchtlichen Teil der potenziellen Adoptionen um eine Art „Stiefkind-Adoption“, bei welcher ein Kind aus früherer Ehe durch den neuen Partner adoptiert werden soll.

Wenn sich Freisinnige mit der Frage beschäftigen, geht es nicht um moralische und religiöse Motive, sondern um das Wohl des Kindes, welches vor dem „egoistischen“ Kinderwunsch der Adoptiveltern zu schützen ist. Die Befürwortung einer Adoption steht und fällt mit der Ansicht, wo es einem Kind besser geht – in einer Homo-Familie oder im Waisenhaus:

„Ein Kind braucht Mutter und Vater“

Obwohl diese Aussage ähnlich pauschal geartet ist wie: „die Frau gehört an den Herd“, findet sie noch grossen Zuspruch. Basieren tut sie auf unserer Idealvorstellung der klassischen Familie. Oftmals entsprechen diese Vorstellungen jedoch nicht der Realität und es ist davon auszugehen, dass auch Kinder von allein erziehenden Müttern glücklich sein können. Niemand würde heute mehr argumentieren, dass ein solches Kind ins Kinderheim gehört, weil zuhause die Vaterrolle fehlt. Es ist jedem Kind zu wünsche, dass es dank der Adoption, die Möglichkeit hat, in einer Familie aufzuwachsen. Dass dabei das Geschlecht der Eltern eine übergeordnete Rolle spielt, ist empirisch nicht nachgewiesen.

„Ein Kind mit lesbischen Eltern könnte in der Schule diskriminiert werden“ Diese Aussage macht mir Angst. Zu Ende gedacht würde es heissen, dass wir die Andersartigkeit verbieten, anstatt ihre Diskriminierung zu bekämpfen. Sollten wir vielleicht auch Schwarzen und Juden die Adoption verbieten, damit ihre Kinder nicht Opfer von Rechtsextremen werden?

RADIGAL verurteilt homophobe Kampagne der SVP Genf

Pressemitteilung
(5. Mai 2007)

RADIGAL, die schwullesbische Fachgruppe der FDP, ist enttäuscht über die schwulenfeindliche Kampagne der SVP Genf gegen die Anpassung des Steuergesetzes an das nationale Partnerschaftsgesetz. 

Seit Januar 2007 ist in der Schweiz das Partnerschaftsgesetz in Kraft, welches zahlreiche Anpassung von kantonalen Gesetzen zur Folge hat. Gegen diese Anpassung macht nun die SVP Genf mit äusserst fragwürdiger Polemik Stimmung. „Nein zu Steuergeschenken für unfruchtbare und wohlhabende Partnerschaften“ heisst es auf den Plakaten der SVP. 

Dass sie damit einen Volksentscheid missachtet, scheint die selbsternannte „Volkspartei“ wenig zu kümmern. Immerhin wurde im Kanton Genf das Partnerschaftsgesetz mit überdurchschnittlichen 62% Ja-Stimmen angenommen. Dass die Partei versucht mit inakzeptablen rassistischen und homophoben Parolen die Wählerschaft am rechten Rand bei Laune zu halten ist nichts Neues. 

Die FDP Genf hat auf die Aktion reagiert und diese ebenfalls aufs Schärfste kritisiert. Mit der Unterstützung der schwullesbischen Fachgruppe RADIGAL setzen sich die FDP in allen Kantonen für eine offene Schweiz ein. 

Souverän sagt mit 58% JA zum Partnerschaftsgesetz

(5. Juni 2005)

Mit grosser Freude und Genugtuung feiern die Schwulen und Lesben das JA des Schweizervolk zum Partnerschaftsgesetzt. Das von der Evangelischen Volkspartei (EVP) und der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) mit dem Referendum bekämpfte Partnerschaftsgesetz passierte mit 1'557'672 (58,0 Prozent) Ja gegen 1'126'578 (42,0 Prozent) Nein. Die Schweiz ist das erste Land, das die Homosexuellen-Partnerschaft per Volksentscheid anerkennt. Das Gesetz tritt frühestens am 1. Januar 2007 in Kraft, wie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) mitteilt.

Für RADIGAL ist die Arbeit deswegen nicht zu Ende. RADIGAL wird die Umsetzung auf Gesetzesstufe beobachten und gegebenenfalls bei den verantwortlichen Stellen Druck machen. Auch nach dem JA sind weiterhin politische Aufklärungsarbeiten für die Rechte von Schwulen und Lesben nötig.

FDP-Infostand an der Demo zum Partnerschaftsgesetz

(23. Oktober 2004)

6000 Personen haben sich am Samstag, 23. Oktober, in Bern versammelt, um die Kampagne für das Partnerschaftsgesetz zu eröffnen.

In überaus fröhlicher und doch ernsthafter Stimmung fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung am frühen Nachmittag in Bern ein. Der bunte Umzug durch die Berner Altstadt endete auf dem neu gestalteten Bundesplatz, wo ein Programm mit Reden, Interviews und Musik den sonnigen und warmen Herbsttag zum erfolgreichen Start der Kampagne für das Partnerschaftsgesetz werden liess.

Jean-Michel Gros (Lib., GE) und Ruth Genner (Grüne, ZH) betonten in ihren Reden die Bedeutung des Partnerschaftsgesetzes für die Zukunft der Schweiz. Kurt Aeschbacher moderierte einen Nachmittag mit Musik und Interviews, an dessen Ende der offizielle Startschuss für die Kampagne durch den Verein "JA zum Partnerschaftsgesetz" gegeben wurde.  (Quelle: www.partnerschaftsgesetz.ch)

An solche einer politischen Veranstaltung darf natürlich auch die FDP nicht fehlen. Deshalb haben Mitglieder von Radigal an der Demo einen Info-Stand aufgebaut um die Demonstranten über Anliegen und Engagement der Partei zu informieren. Der Stand wurde mit grossem Interesse besucht und die Feedback waren sehr positiv. Die FDP hat ihre Chance gut genützt, sich als Gesellschaftsliberale Partei zu profilieren und gegenüber den anderen bürgerlichen Parteien, welche notabene nicht präsent waren, abzuheben.