Seit 2003 setzt sich RADIGAL als Fachgruppe der FDP und der Jungfreisinnigen für die individuelle Selbstentfaltung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LGBTI = Lesbian, Gay, Bi-, Trans-, Intersexual) auf Basis liberaler Grundwerte ein. Auch wenn LGBTI in vielen Bereichen schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, ist eine komplette Gleichstellung noch nicht vollständig erreicht. Wir setzen uns aktuell ein gegen Hate-Crime, für ein Verbot von Konversionstherapien, eine Erleichterung der Siefkindadoption und für ein klares Statement der Schweiz im Zusammenhang mit Gesetzen gegen LGBTI in anderen Ländern.

Medienmitteilung vom 17. Juni 2026

RADIGAL bedauert Rückweisung der erleichterten Stiefkindadoption

Bern, 17. Juni 2026 — Der Ständerat will die Stiefkindadoption nicht durch eine Änderung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch erleichtern. Er hat heute Mittwoch eine entsprechende Vorlage mit 23:20 Stimmen knapp zurückgewiesen. RADIGAL, die LGBTI-Fachgruppe der FDP Schweiz, bedauert diesen Entscheid. Der Ständerat verzögert damit eine Verbesserung, die für betroffene Kinder seit Jahren überfällig ist.

Bisher gilt: Wird ein Kind etwa durch eine private Samenspende gezeugt, anerkennt das Gesetz nur die gebärende Mutter als Elternteil. Der zweite Elternteil muss die Stiefkindadoption beantragen, was ein umständliches und lang andauerndes Verfahren zur Folge hat. Es dauert je nach Kanton rund ein bis zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit hat das Kind nur einen rechtlichen Elternteil, obwohl zwei Personen bereitstehen, die Verantwortung übernehmen wollen.

Diese Lücke trifft das Kind. Stirbt der rechtliche Elternteil oder trennt sich das Paar während des Verfahrens, sind weder das Kind noch der zweite Elternteil abgesichert. Auch erbrechtlich steht das Kind schlechter da. Die heutige Regelung wird dem Kindswohl nicht gerecht. Sie schafft für Kind und Eltern im ersten Lebensjahr eine Unsicherheit, die sich vermeiden lässt.

Die Rückweisung koppelt die Vorlage an die Revision des Abstammungsrechts und des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Diese Revision wird Jahre dauern. Bis dahin müssen weitere Familien dasselbe Verfahren durchlaufen. Die erleichterte Stiefkindadoption ist eine eigenständige, rasch umsetzbare Korrektur. Sie lässt sich ohne Schaden für die grössere Revision vorziehen, und genau das wäre im Interesse der betroffenen Kinder.

Der Nationalrat hat die Vorlage am 2. März 2026 mit 121 zu 55 Stimmen angenommen und sogar erweitert. Das Geschäft geht nun zurück an den Nationalrat. RADIGAL appelliert an National- und Ständerat, die rechtliche Absicherung dieser Kinder nicht weiter aufzuschieben. Die Korrektur war bereits bei der «Ehe für alle» angelegt.